Modul: Magnetresonanz-Tomographie: Grenzfragen physiologischer Erkenntnis

Kurzbeschreibung:
Die MRT-Bilder v.a. des Gehirns wecken alte Wünsche: anhand physiologischer Beobachtung etwas von unseren Gefühlen, Motivationen, ja vom menschlichen Geist überhaupt zu erfahren. Wir wollen dem Individuellen, Persönlichen einerseits, dem allgemein Menschlichen anderseits auf die Spur kommen. Was genau lässt uns dieser technisch konstruierte Blick sehen, und was bedeutet er für die Medizin?

Lernziele:
1) Sachgemäße Reflexion einer Technik, die inzwischen zu den prägenden Bildgebern unserer westlichen Weltanschauung gehört.
2) Ein Bewusstsein von den Möglichkeiten und Grenzen medizinischer MRT-Diagnostik.
3) Das Sich-Einüben in eine der ältesten Fragen überhaupt: in die nach dem Verhältnis von Leib, Seele und Geist.

Universität und ETH Zürich, montags 13-17 Uhr (2-wöchentliches Seminar), zusammen mit PD Dr. Hartwig Wiedebach:
http://www.vorlesungen.uzh.ch/HS13/suche/sm-50646723.modveranst.html

Von der epistemischen Kraft ikonographischer Evidenzen: Neuro-Bildgebung als Neophrenologie des Geistes?

Vortragsreihe: Neuro-Philosophisches Kolloquium
Neurologische Universitätsklinik, Otto-von-Guericke Universität Magdeburg, 25. Februar 2013

Unseren Geist und somit mentales Erleben, Fühlen und Denken als natürliches Geschehen zu begreifen, so lautet die als erfolgsversprechend proklamierte Forschungsstrategie der modernen Life Sciences. Gleichzeitig erleben wir mehr als wir begreifen: Zwischen Gehirn und Geist klafft eine Erklärungslücke, deren existenzielle Tragweite nur im Lichte der Differenzen in der Wissensproduktion unterschiedlicher Wissenskulturen zu erhellen ist. Im Zeitalter moderner Neurotechnologien gewinnt die Frage nach der Naturalisierbarkeit des Mentalen erneut an Aktualität und mit ihr auch die Frage nach dem Stellenwert bildgebender Verfahren als epistemischen Werkzeugen, um neue Einsichten in die Natur des menschlichen Geistes zu vermitteln. Dabei stossen wir auf eine zentrale erkenntnisleitende Frage: Können die bis anhin kryptisch gebliebenen neuronalen Prozesse mittels Neuro-Bildgebung - vergleichbar einer bioarchäologischen Grabung im Gehirn - für uns als "neuronale Texte" auch lesbar und verstehbar gemacht werden? Die Frage nach der "neuronalen Lesbarkeit des Mentalen" zu stellen bedeutet auch, sie in Resonanz zu bringen mit der Suche nach einer angemessenen Ebene der Erklärung als Fortsetzung der Geschichte der menschlichen Wissensproduktion.