Ikonographie des Geistes: Epistemologie und Bildpraxis in den psychiatrischen Neurowissenschaften der Gegenwart

PSYCHIATRIE – WISSEN – GESELLSCHAFT
Ein transdisziplinärer Workshop

Universität Zürich, 16.–18.Oktober 2014

Unseren Geist und somit mentales Erleben, Fühlen und Denken als natürliches Geschehen zu begreifen, so lautet die als erfolgsversprechend proklamierte Forschungsstrategie der modernen Life Sciences. Gleichzeitig erleben wir mehr als wir begreifen: Zwischen Gehirn und Geist klafft eine Erklärungslücke, deren existenzielle Tragweite nur im Lichte der Differenzen in der Wissensproduktion unterschiedlicher Wissenskulturen zu erhellen ist. Im Zeitalter moderner Neurotechnologien gewinnt die Frage nach der Naturalisierbarkeit des Mentalen erneut an Aktualität und mit ihr auch die Frage nach dem Stellenwert bildgebender Verfahren als epistemischen Werkzeugen, um neue Einsichten in die Natur des menschlichen Geistes zu vermitteln. Besonders in der Psychiatrie wirft die metrische Objektivierung des Subjektiven kontroverse Fragen auf: Welchen erkenntnisleitenden Stellenwert hat die Vermessung biologischer Regelmässigkeiten im Gehirn im Hinblick auf das Verständnis des Leidens eines erkrankten Subjekts? Die Frage nach der wissenschaftlichen Objektivierung des Geistes zu stellen bedeutet auch, sie in Resonanz zu bringen mit der Suche nach einer angemessenen Ebene der Erklärung als Fortsetzung der Geschichte der menschlichen Wissensproduktion.

Dr. Dr. med. Milan Scheidegger
promovierte an der Universität Zürich in Medizin und bildete sich am Institut für Biomedizinische Technik (Universität und ETH Zürich) im Rahmen eines neurowissenschaftlichen Doktorats in modernen bildgebenden Verfahren des Gehirns fort. Aktuell arbeitet er als Arzt an der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich und erforscht die neurobiologischen Grundlagen veränderter Bewusstseinszustände sowie die Biomechanismen antidepressiv wirksamer Therapien. Neben der empirischen Tätigkeit erwarb er den Master in Geschichte und Philosophie des Wissens an der ETH Zürich. Zu seinen Forschungsschwerpunkten zählen die Biosemiotik, die Philosophie des Geistes, die Epistemologie der Psychiatrie sowie die Neurophänomenologie veränderter Bewusstseinszustände.