Vom psychedelischen Rausch zur mystischen Ekstase: Psychopharmakologie des rituellen Substanzgebrauchs

Studientag: Religion und Drogen | 18.04.2016
Fachbereich Religionswissenschaft, Universität Basel

Die Religionsgeschichte ist auch eine Geschichte des Drogengebrauchs. Von Ritualen, Ekstasetechniken über Pilze, Tee, Alkohol bis hin zu Opium, LSD und Ecstasy. Individuell und kollektiv gebraucht, werden Grenzerfahrungen, Wahrnehmungserweiterungen, sakrale Kommunikationen, Ekstasezustände und meditative Einkehr durch Drogen befördert. Viele Thesen und Themen zur Religion werden mit dem Gebrauch von Drogen im weitesten Sinne in Zusammenhang gebracht: Das Christentum als Produkt des Konsums eines Rausch-Pilzes; die Frage nach dem Wein im Abendmahl; der Trank der Unsterblichkeit in China; Rituale zur Erzeugung von Endorphinen (endogenes Morphin); Bodhidharma und die Kultivierung des Tees; der Einsatz von Entheogenen in Ritualen (Peyote-Kult, Schamanismus) usw.

Zum Bereich der Religion gehören ‚ausserordentlichen’ Erfahrungen, Imaginationen und Visionen. Insbesondere Drogen, aber auch Rituale, befördern diese Erfahrungen, stimulieren und provozieren Wahrnehmungen, Visionen und Einsichten. Es ist daher nicht verwunderlich, dass vor dem Hintergrund verschiedenster kultureller Hintergründe Drogen eingesetzt werden, um religiöse ‚Ziele’ – welche auch immer das sein mögen – zu erreichen. Dies ist auf der anderen Seite mit ein Grund dafür, wieso der Gebrauch von psychoaktiven Drogen diskursiv der Religion oder der sogenannten Magie zugewiesen wird und ihr Gebrauch in Medizin und Psychologie nur unter bestimmten Vorzeichen als legitim erscheint. Zunehmend gibt es zunehmend psychopharmakologische Untersuchungen, die die (psycho)physischen Grundlagen der Wirkungsweise von Drogen untersuchen.

Der Studientag will anhand von ausgewählten Fallbeispielen diesen Phänomenen in einem interdisziplinären Forum nachgehen. Dabei wird der Schwerpunkt auf einem Forschungsbereich liegen, der als ‚Religionspsychopharmakologie’ bezeichnet werden kann: Welche körperlichen Wirkmechanismen liegen der Wirkung von Drogen und Ritualen zugrunde?

Rauschmittel und Drogen in der europäischen Religionsgeschichte - ein Überblick
Hubert Mohr, M.A., Universität Basel

Die Verwendung von Drogen im chinesischen Daoismus
Prof. Dr. Stephan Peter Bumbacher, Universität Basel und Zürich

Vom psychedelischen Rausch zur mystischen Ekstase: Psychopharmakologie des rituellen Substanzgebrauchs
Dr. Dr. med. Milan Scheidegger, PUK Zürich

Instant Nirvana: Die spirituelle Dimension der LSD-Erfahrung
Lucius Werthmüller, Autor und Parapsychologe in Basel